Masern

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medium_452604883Die Krankheit ist ansteckend, aber die Berichterstattung und die Diskussion darüber scheinen es auch zu sein: Masern, Masern, Masern, wohin das Auge blickt. Sven Stockrahm schreibt auf ZEIT Online einen Text “Ungeimpfte Deutsche verhindern Ausrottung der Masern” und erntet 200 Kommentare (Stand: 4.7., 20.40 Uhr). In der taz ist zu lesen: “Masern sind kein Kinderspiel” (9 Kommentare). Die FAZ berichtet über das “Letzte Mittel – Bahr erwägt Impfpflicht gegen die Masern” und erhält online 42 Lesermeinungen. Sogar auf der Titelseite unserer Bremer Tageszeitung prangte am Mittwoch die Schlagzeile: “Debatte über Impf-Pflicht – Gesundheitsministerium wegen Masernerkrankungen besorgt/Ist Zwang sinnvoll?”

905 Masernfälle in den ersten fünfeinhalb Monaten dieses Jahres in Deutschland, Ausbrüche in den Niederlanden und 1219 Masernerkrankungen in Wales seit November 2012. Kein Wunder, dass die Erkrankungswelle in Europa überall auf der Welt Aufmerksamkeit und Besorgnis erregt. So meldete der kanadische “Times Colonist” Ende Juni, dass zwei junge Menschen auf der Prince Edward Island an Masern erkrankt seien. Die jungen Leute waren nicht geimpft und hatten sich bei einem Verwandten angesteckt, der kürzlich von einer Europareise zurückgekehrt war.

Die panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) und die WHO empfehlen daher als Schutz vor unliebsamen Reisesouvenirs:

“.. to recommend vaccination against measles and rubella for all travelers to and from the countries of the Americas, in order to reduce the risk of reintroducing these diseases that have already been eliminated in the Americas. Travelers who are not vaccinated against measles and rubella are at risk of getting these diseases when visiting countries where these viruses are circulating.

Die breite Aufmerksamkeit, die das Thema Masern zurzeit bekommt, ist gut. Sie regt an, einen Blick in den eigenen oder den Impfpass des Kindes zu werfen. Oder sicherzugehen – sollte man schon etwas älteren Semesters sein – dass man als Kind an Masern erkrankt und dadurch immun ist.

BZgA-KampagneFür viele von uns liegen die Schrecken von Infektionskrankheiten in weiter Ferne. Um zu begreifen, wie bedrohlich die Masern einst waren, hilft ein Blick auf eine Timeline, die das “College of Physicians of Philadelphia” auf einer tollen Webseite (“The History of Vaccines”) zusammengestellt hat.

Zitiert wird hier auch der US-Amerikaner Thomas Peebles. Der Arzt vom Children`s Hospital Boston wurde 1954 von seinem Chef John Enders zu einer Schule geschickt, an der gerade die Masern ausgebrochen waren. Peebles sollte den Jugendlichen dort Blut abnehmen und daraus die Viren isolieren, die die Krankheit möglicherweise verursachten. Einige Wochen später gelang der Durchbruch. Das Masern-Virus war entdeckt, der Grundstein für einen Impfstoff gelegt.

Jedem Schüler, der sich an der Aktion beteiligte, sprach Peebles damals aufmunternd zu:

“Young man, you are standing on the frontiers of science.”

Ähnlich wichtig ist jeder Einzelne heute, um an der aktuellen Grenze zwischen der Ausrottung und einem Wiederaufflammen der Masern Verantwortung zu übernehmen - für sich, seine Kinder und die Mitmenschen weltweit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

photo credit: <a href=”http://www.flickr.com/photos/teflon/452604883/”>Martin Deutsch</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/”>cc</a>

Ein Gedanke zu “Masern

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