Carl von Linnè und die Krankheiten

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“Pocken, Masern, Ruhr, Syphilis, ja selbst die Pest könnten von kleinsten Lebewesen verursacht sein.”

(Carl von Linnè, 1750)

 

medium_8524157073Wer den Namen Carl von Linnè (1707-1778) hört, wird vielleicht an die Bedeutung dieses Naturforschers für die weltweite Bestandsaufnahme von Tier- und Pflanzenarten denken. Oder auch an die von ihm geprägte systematische Gliederung des Organismenreiches. Dazu gehört die binäre Nomenklatur, die bis heute jeder Pflanze, jedem Tier einen zweiteiligen Artnamen beschert: Anser anser, Cygnus olor, Apus apus, Sylvia atricapilla, Hirundo rustica und wie sie alles heißen. (Oh, da ist jetzt wohl gerade der Vogelfreund mit mir durchgegangen.)

Doch nicht nur der Tier- und besonders auch der Pflanzenwelt hat sich Linnè in seiner Ordnungsfreude angenommen. Er entwarf auch eine Systematik der Krankheiten. Unter dem Titel “Genera Morborum” veröffentliche der Schwede, der ursprünglich Medizin studiert und auch als Arzt praktiziert hatte, 1763 sein Werk.

Ähnlich der Klassifikation von Pflanzen teilte Linnè darin die damals bekannten Krankheiten in Klassen, Ordnungen und Arten ein. Diese Einordnung nahm er allein anhand äußerer Merkmale, also der beobachteten Symptome vor. Die Ursachen von Krankheiten und die zugrunde liegenden körperlichen Prozesse waren noch nahezu unbekannt.

Kurios an der Geschichte: die Idee einer Systematik der Krankheiten hatte Linnè bereits einige Jahre vorher in einer Doktorarbeit eines seiner Studenten niedergeschrieben. “Es war im 18. Jahrhundert durchaus keine Seltenheit, dass der Betreuer einer Promotion auch dessen Dissertation selbst verfasste. Von Linnè ist überliefert, dass er die Texte seinen Schülern zu diktieren pflegte.” Ein interessantes Detail, das Ilse Jahn und Michael Schmitt da in einem Porträt Linnès erwähnen, angesichts von Plagiatsvorwürfen und Titelmauscheleien unserer Tage (1).

Linnès Systematik der Krankheiten kennt 10 Klassen, 37 Ordnungen und 325 Arten. Die erste Klasse “Exanthematici” unterteilt er in drei Ordnungen “contagiosi”, “sporadici” und “solitarii”. Bei der Ordnung “contagiosi” wird der Mensch, der sich für Immunologe und Infektionskrankheiten interessiert, hellhörig. Und ja, Linnè erfasst darunter zum Beispiel die Pocken, Rubeola (Röteln) und Syphilis (2).

LinneClacisAusschnitt

Obwohl nicht bekannt war, dass Viren bzw. Bakterien diese Krankheiten auslösen, hatte Linnè bereits einen Verdacht: “Pocken, Masern, Ruhr, Syphilis, ja selbst die Pest könnten von kleinsten Lebewesen verursacht sein”, schrieb er in einem Beitrag, der 1750 in den Verhandlungen der schwedischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde (1). Und in der Doktorarbeit eines Schülers (!) äußerte Linnè einige Jahre später die Vermutung, “dass durch Kleinstlebewesen mehr Menschen als durch Kriege getötet werden.”

 

(1)  “Darwin & Co. Eine Geschichte der Biologie in Porträts.” Hrsg.: Ilse Jahn, Michael Schmidt, Verlag C.H. Beck, München 2001

(2)  Linnaeus` “Genera Morborum” and some of his other medical works.” Anfin Egdahl, Medical Library and Historical Journal.  5(3): 185–193, 1907

 

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