Helden der Fortpflanzung: Treg-Zellen

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Eine Sorte von Immunzellen darf in dieser kleinen Reihe über die “Helden der Fortpflanzung” nicht fehlen: die regulatorischen T-Zellen (Treg). Eine Schwangerschaft kann, wie wir schon gesehen haben, nur dann gelingen, wenn Killerzellen, Granulozyten, Mastzellen und eben auch die Treg an einem Strang ziehen.

Treg-Zellen sorgen als natürliche Bremse auch sonst dafür, dass die körpereigenen Abwehrreaktionen im Gleichgewicht bleiben. Sie werden gebraucht, um Angriffe auf eigenes Gewebe zu blockieren, eine Immunantwort gegen Krankheitserreger zu beenden und harmlose Umweltreize zu tolerieren.

Während einer Schwangerschaft müssen sie neun Monate lang den Rest der Immun-Mannschaft dazu bringen, das heranwachsende Kind im Mutterleib zu tolerieren. Dieses provoziert eigentlich eine Immunantwort, weil es nicht nur mit mütterlichen sondern zur Hälfte auch mit “fremden”, väterlichen Merkmalen bestückt ist.

T-Zelle (Foto: AJC1, Flickr)
T-Zelle (Foto: AJC1, Flickr)

Bei Mäusen tauchen schon zwei Tage nach der Befruchtung entsprechende Treg-Zellen in den Lymphknoten auf. Diese verhindern eine Immunantwort gegenüber allem, was väterliche Merkmale trägt. Die Immunantwort wird also nicht insgesamt geschwächt, sondern gezielt nur dort außer Kraft gesetzt, wo sich ein Angriff gegen das Kind richten würde.

Die Treg arbeiten dabei hauptsächlich über den Botenstoff Interleukin-10. Dieser verhindert, dass sich andere angriffslustige T-Zellen oder auch Killerzellen in der Gebärmutter vermehren, Botenstoffe ausschütten und Zellen abtöten.

Dabei bilden sich Treg, die einen Angriff auf väterliche Merkmale blockieren, anfänglich bereits während der Befruchtung heraus. Dann nämlich, wenn das mütterliche Immunsystem in der Schleimhaut der Vagina mit den väterlichen Antigenen aus der Samenflüssigkeit in Kontakt kommt.

Von Vorteil ist offenbar, wenn ein Paar, das sich ein Kind wünscht, schon über einen gewissen Zeitraum zusammen ist. Dann kann sich die notwendige Treg-Mannschaft in ausreichender Stärker positionieren. Laut Paula Juliet Williams und Linda Morgan vom Queen`s Medical Center in Nottingham hat der längere Kontakt des mütterlichen Immunsystems zum Sperma des Mannes eine schützende Wirkung auf den Verlauf einer Schwangerschaft.

Fehle dieser Kontakt, wie etwa bei einer künstlichen Befruchtung mit Spendersamen, steige das Risiko für die Frau deutlich an, von einer Schwangerschaftskomplikation, wie der Präeklampsie, betroffen zu sein. Dabei läuft der Stoffaustausch über den Mutterkuchen nicht optimal, was die Gesundheit von Mutter und Kind mitunter stark gefährdet. An der Entstehung der Erkrankung sind viele Umstände beteiligt, ein wichtiger Faktor sind fehlerhaft agierende, mütterliche Immunzellen.

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Helden der Fortpflanzung: Treg-Zellen

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

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