Immunologie in Zahlen

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Zugegeben, bei dieser Zahl habe ich ein wenig gemogelt. Denn sie hat nur indirekt mit dem Immunsystem zu tun. Japanische Frauen leben im Durchschnitt sechs Jahre länger als ihre männlichen Landsleute (85,5 Jahre die Frauen, 79 die Männer, in Deutschland: 82,7 vs. 77,7 Jahre). Aber: die höhere Lebenserwartung spiegelt sich auch in der Fitness ihrer Immunabwehr wieder. Nach einer aktuellen Studie von Forschern der Tokyo Medical & Dental University altert das Immunsystem von Frauen langsamer als das der Männer. Die Körperabwehr der untersuchten Frauen im Alter von 20 bis 90 Jahren sei im Durchschnitt dabei stets um einige Jahre “jünger” als die der männlichen Studienteilnehmer gewesen, berichten die Wissenschaftler.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Aktivität und Zusammensetzung der verschiedenen Immunzellen im Körper. Der Thymus, als “Ausbildungsorgan” für die T-Zellen, stellt ab der Pubertät nach und nach seine Aktivität ein. Die Anzahl naiver, “jungfräulicher” T-Zellen nimmt daher kontinuierlich ab, bei Männern, wie die Japaner jetzt zeigen, signifikant schneller als bei Frauen.

medium_1580161529Rascher sinkt bei Männern außerdem nicht nur die Anzahl so genannter cytotoxischer T-Zellen, die virusinfizierte Zellen erkennen und abtöten können. Auch die Immunzellen, die Antikörper herstellen, die B-Zellen, treten bei Männern altersbedingt schneller den Rücktritt an.

Das Immunsystem von Frauen und Männern reagiert auf Infektionen und Impfungen in der Regel ein wenig unterschiedlich. Das weiß man schon länger. Verantwortlich gemacht werden dafür unter anderem die Sexualhormone, die auf die Immunzellen einwirken. Generell schreibt man den Frauen eine stärkere Immunabwehr zu. Diese wendet sich aber auch öfter als bei den Männern gegen das eigene Gewebe, weshalb Frauen deutlich häufiger von Autoimmunerkrankungen betroffen sind.

Andererseits müssten die Besonderheiten der weiblichen und männlichen Immunabwehr auch bei Impfungen beachtet werden. Wenn Frauen geimpft werden, würden, so die Meinung einiger Forscher, häufig schon geringere Impfstoffdosen ausreichen, um den gleichen Effekt wie bei Männern zu erzielen. Unangenehme Nebenwirkungen einer Impfung könnten so verringert werden.

Für das unterschiedliche Altern des Immunsystems bei Männern und Frauen gibt es aktuell zwei Erklärungsmöglichkeiten. Entweder ist der schnellere Immunabbau bei Männern einfach nur ein Bestandteil des ohnehin flotteren Alterns. Oder die nachlassende Immunabwehr und damit verbundene Infektanfälligkeit ist sogar ein Grund dafür, warum Männer im Durchschnitt eher sterben.

Sollten sich die Ergebnisse der Forscher in weiteren Studien bestätigen, könnte es zukünftig möglich sein, mit Hilfe einer Blutprobe und ausgewählten immunologischen Messwerten das biologische Alter eines Menschen  zu bestimmen.

photo credit: <a href=”http://www.flickr.com/photos/dgjones/1580161529/”>DG Jones</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/”>cc</a>

 

 

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