Alexander Fleming über die Antibiotikaresistenz

Send to Kindle
Alexander Fleming (Wikimedia Commons)

“Die Zeit wird kommen, in der Penicillin von jedermann in Geschäften gekauft werden kann. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Unwissende das Penicillin in zu niedrigen Dosen verwendet. Indem er die Mikroben nun nicht-tödlichen Mengen aussetzt, macht er sie resistent. Ein hypothetisches Beispiel: Mr. X hat eine Halsentzündung. Er kauft Penicillin und nimmt es ein. Jedoch in Mengen, die nicht ausreichen, um die Streptokokken abzutöten, aber sehr wohl genügen, um sie resistent zu machen. Dann steckt Mr. X seine Frau an. Mrs. X bekommt eine Lungenentzündung und wird mit Penicillin behandelt. Weil die Streptokokken nun resistent gegenüber dem Penicillin sind, schlägt die Behandlung fehl. Mrs. X stirbt.” (Alexander Fleming)

Das Zitat stammt aus der Rede, die Alexander Fleming, der das Penicillin entdeckte, anlässlich der Nobelpreisverleihung im Jahr 1945 hielt. Der preisgekrönte Schotte weist darin anschaulich auf die Gefahren des unkontrollierten Gebrauchs von Antibiotika hin. Durch die inflationäre Nutzung dieser Medikamente in den letzten Jahrzehnten stehen wir heute vor einem Problem katastrophalen Ausmaßes. Der Fehlgebrauch von Antibiotika habe zu einem Anstieg an resistenten Bakterienstämmen geführt. Ein Zustand, der durch einen alarmierenden Rückgang der Entdeckung neuer Antibiotikaklassen noch verschlimmert werde. So war kürzlich in einem Editorial der Fachzeitschrift “Nature”  zu lesen. Diese Meldung an sich ist noch keine große Neuigkeit. Doch erschreckend ist dies: Trotz der großen Gefahr widmeten sich die politischen Entscheidungsträger dem Problem in einem viel zu geringen Ausmaß, heißt es in dem Text weiter. Dringend müssten Forscher, Gesundheitsexperten und Politiker an einen gemeinsamen Tisch kommen und effektive Maßnahmen gegen die Krise ergreifen.

Ein regelrechtes Verbrechen ist in diesem Zusammenhang der Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung. Nach Angaben von David Kessler, der in der “New York Times” zu diesem Thema schrieb, werden nur 20 Prozent der jährlich verkauften Antibiotika zur Behandlung von Erkrankungen des Menschen verwendet. 80 Prozent (!!) der Antibiotika dagegen landen in den Mägen von Nutztieren. Entweder, weil diese wegen der industriellen Haltungsweise besonders anfällig für Infekte sind. Oder aber, was wohl den größten Teil der Anwendungen ausmacht, um mit niedrigen Antibiotika-Dosen, das Wachstum der Tiere zu beschleunigen. Genau davor hatte Fleming gewarnt. Nichtsahnend, dass nicht Mister X der Schuldige sein würde, sondern eine profitorientierte Nahrungs- und Gesundheitsindustrie.

2 Gedanken zu “Alexander Fleming über die Antibiotikaresistenz

  1. Hätte der Militärarzt Ernest Duchesne mal bloß mehr Engagement in seine Entdeckung mit der antibakteriellen Wirkung des Schimmelpilzes gelegt, dann wäre er sicherlich nicht an Tuberkolose gestorben und hätte schön die Lorbeeren dafür ernten können. (Quelle: Puls4)

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *