Helden der Fortpflanzung: der neutrophile Granulozyt

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Neutrophile werfen ihre DNA-Netze aus (Foto: Volker Brinkmann, MPI für Infektionsbiologie, Berlin)

Das Leben der neutrophilen Granulozyten ist kurz. 6 bis 10 Tage reifen sie im Knochenmark heran,  um dann einen halben Tag mit dem Blut durch den Körper zu reisen und schließlich nach 2 bis 4 Tagen irgendwo im Gewebe abzusterben. Dabei sind die Neutrophilen eine enorm wichtig Stütze der Körperabwehr. Mengenmäßig machen sie den größten Anteil der weißen Blutkörperchen aus (jeden Tag werden 100 Milliarden Neutrophile gebildet) und sie bekämpfen eingedrungene Mikroorganismen rasch und effektiv. Entweder werden die Störenfriede mit antibakteriellen Substanzen attackiert oder per Phagozytose einverleibt und beseitigt.

Abhängig von der Zyklusphase enthält das Blut einer Frau unterschiedlich viele Neutrophile. Nach dem Eisprung steigt ihre Zahl bis zum Einsetzen der Menstruation ständig an. Mit Beginn der Regelblutung sammeln sich die Neutrophilen in der Gebärmutterschleimhaut, um hier beim notwendigen Gewebeabbau und der nachfolgenden Beseitigung von Zellschrott und der Wundheilung mitzuhelfen.

Auch nach dem Sex haben die Neutrophilen gut zu tun. Hereingetragene Bakterien und vor allem der Überschuss an heimatlosen Spermien muss aus dem Weg geräumt werden.

Doch der Eifer bei der Beseitigung von Zellschrott kann auch negative Folgen haben. Denn besonders aktiv werden die Neutrophilen dann, wenn eine Schwangerschaftskomplikation wie die “Präeklampsie” auftritt, bei der der Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind beeinträchtigt ist. Dabei ist die Plazenta geschädigt und funktioniert nicht optimal. Kleine Mikropartikel, die zum Beispiel von abgestorbenen Zellen stammen, werden am Mutterkuchen frei und versetzen die Neutrophilen in Alarmbereitschaft.

Der Zellschrott dort löst einen weiteren Verteidigungsmechanismus der Neutrophilen aus, der eigentlich für die Abwehr von Mikroorganismen gedacht ist. Die Abwehrzellen opfern sich dabei selbst auf, starten ein Selbstmordprogramm und werfen klebrige Netze aus DNA aus, an denen die Eindringlinge haften bleiben und zugrunde gehen sollen.

Lösen die Mikropartikel in der geschädigten Plazenta diesen Netzabwurf aus, verstopfen die DNA-Netze den engen Raum in der Plazenta zusätzlich und hemmen den Blutfluss. Dadurch verschlechtert sich der ohnehin magere Stoffaustausch über den Mutterkuchen weiter, was die Gesundheit von Mutter und Kind zusätzlich gefährdet.

(Literatur: S. Hahn et al., “Neutrophil NETs in reproduction: from infertility to preeclampsia and the possibility of fetal loss.” Frontiers in Immunology, Online-Publikation vom 27. November 2012, doi: 10.3389/fimmu.2012.00362.)

 

 

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