Helden der Fortpflanzung: die Mastzelle

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Mastzelle (Foto: Ed Uthman, flickr)

Mastzellen sind meist die Bösewichte. Wenn über sie geschrieben wird, dann oft im Zusammenhang mit Allergien. In ihren bläschenartigen Speichern, den Granula, bewahren sie unter anderem das Signalmolekül ”Histamin” auf. Dieses können sie ausschütten, wenn etwa IgE-Antikörper beladen mit einem Allergen, also einem Molekül, das eine Allergie auslösen kann, an die Mastzelle binden. Was dann geschieht, kennt jeder Allergiker nur zu gut. Die Nase juckt und läuft, die Augen sind gerötet und tränen, Schleimhäute schwellen an und wenn es gar zu schlimm kommt, bricht der Kreislauf zusammen und ein allergischer Schock stellt sich ein.

Mastzellen sind überall im Körper anzutreffen, in der Haut, der Lunge, in den Lymphorganen und den Schleimhäuten von Atem- und Verdauungstrakt. Paul Ehrlich (1854 bis 1915) entdeckte bei gut gefütterten, “gemästeten” Tieren besonders viele Immunzellen dieser Art und taufte sie daher auf den bekannten Namen. Mastzellen sind unverzichtbar bei der Verteidigung vor Parasiten und bei der Wundheilung. Aber das ist nicht alles. Auch sie spielen, wie die schon beschriebenen Killerzellen, eine zentrale Rolle bei einer Schwangerschaft.

Das Wissen um die Bedeutung der Mastzellen für eine gelingende Schwangerschaft ist unter anderem dem Team von Ana Zenclussen von der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg zu verdanken. Bei ihren Experimenten stellte sich heraus, dass sich die befruchteten Eizellen bei Mäusen mit einem Defekt der Mastzellen nicht ordentlich in die Gebärmutterschleimhaut einnisten können.

Offenbar sind die Ereignisse zu Beginn einer Schwangerschaft auf das reichhaltige Cocktail an Signal-, Botenstoffen und Enzymen angewiesen, das eine Mastzelle ausschütten kann. Besonders für den Umbau der mütterlichen Blutgefäße braucht es die Mastzellen. Die Spiralarterien in der Gebärmutter werden dabei vergrößert, um das heranwachsende Kind optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen.

Kein Wunder also, dass sich Mastzellen während der fruchtbaren Tage einer Frau, aber auch während einer Schwangerschaft, in großer Anzahl im Gebärmuttergewebe tummeln. Bisher wusste man nicht, warum das so ist. Nur, dass weibliche Sexualhormone an die Mastzellen andocken und sie so vor Ort locken können. Die Forschungen auf diesem Gebiet sind spannend. Gerade im Hinblick darauf, in welchem Umfang die Mastzellen möglicherweise am Problem der Unfruchtbarkeit oder an Schwangerschaftskomplikationen beteiligt sind. Und das Thema geht auch die Männer an. Mastzellen kommen im Hodengewebe vor und tauchen in der Samenflüssigkeit auf. Bei unfruchtbaren Männern sind es auffällig viele.

(Quelle: AC Zenclussen et al., “Mast cells rescue implantation defects caused by c-kit deficiency”, Cell Death and Disease, Online-Publikation vom 17. Januar 2013 und F. M. Menzies et al.,”The role of mast cells and their mediators in reproduction, pregnancy and labour”, Human Reproduction Update, Online-Publikation vom 19.10 2010)

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