Helden der Fortpflanzung: die Killerzelle

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NK-Zelle greift Krebszelle (rosa) an (Foto: Dank an Oliver Meckes, eye of science)

Keine Frage: die Natürlichen Killerzellen sind Helden. Sie erkennen und beseitigen Tumorzellen. Und sie greifen Körperzellen an, in denen sich Viren ausgebreitet haben. Aber auch in der ersten Phase einer Schwangerschaft läuft ohne sie gar nichts.

Lange Zeit hatte sich die immunologische Forschung darauf konzentriert, herauszubekommen, warum die mütterliche Immunabwehr das Kind während der Schwangerschaft nicht abstößt. Schließlich ist es zur Hälfte mit väterlichen, fremden Merkmalen ausgestattet.

In Folge dieser Überlegungen entstand der Mythos, das Immunsystem sei während einer Schwangerschaft heruntergefahren und die Schwangere dadurch womöglich auch anfälliger für Infektionen. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall.

Die Immunzellen tolerieren das “Fremde” zwar neun Monate lang. Sie sind außerdem aber auf vielen weiteren Ebenen aktiv am Gelingen der Schwangerschaft beteiligt. Nur mit ihrer Hilfe kann sich die befruchtete Eizelle einnisten, in die Gebärmutterschleimhaut eindringen und die Plazenta sich ordnungsgemäß entwickeln. Im ersten Schwangerschaftsdrittel machen die Immunzellen 30 bis 40% aller Zellen in der Gebärmutterschleimhaut aus. Weit über die Hälfte davon sind Natürliche Killerzellen.

Unter dem Einfluss der immunologischen Botenstoffe und Hormone in der Gebärmutter, werden die Killerzellen mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet. Sie schütten dann ihrerseits verschiedene Signalstoffe und Wachstumsfaktoren aus, die die Einnistung des wenige Tage alten Embryos regulieren. Dieser nimmt mit seiner äußeren Schicht, dem Trophoblasten, Kontakt zur Gebärmutterschleimhaut auf, löst diese teiweise mit Hilfe von Enzymen auf und dringt in sie ein. Diese Invasion muss fein dosiert ablaufen, darf nicht zu stark, aber auch nicht zu oberflächlich sein, wofür die NK-Zellen sorgen.

Während der frühen Schwangerschaft finden sich die NK-Zellen auch besonders in der Nähe zu den mütterlichen Arterien in der Gebärmutter. In der Kontaktzone zum Embryo werden die Blutgefäße umgestaltet, vergrößert, um das heranwachsende Kind ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen zu können. Auch bei diesem Umbau sind die NK-Zellen beteiligt. Wiederum sind es verschiedene Botenstoffe, die jetzt die Erweiterung der Blutgefässe voranbringen. Tun sie das nicht in ausreichenden Mengen, begünstigt das die Entstehung einer Schwangerschaftskomplikation, der “Präeklampsie” (auch Gestose genannt), von der fünf bis acht Prozent aller Schwangeren betroffen sind.

[Literatur: "Immune cells in the placental bed", Int. J. Dev. Biol. 54, 281-94 (2010) und "Impaired decidual natural killer cell regulation of vascula remodelling in early human pregnancies with high uterin artery resistance", J. Pathol. 228, 322-32 (2012)]

 

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