Immunologie in Zahlen

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Unser Körper wird von 100 Billionen Bakterien bevölkert. Die Besiedelung beginnt während der Passage durch den Geburtskanal und setzt sich beim Stillen und Hautkontakt zur Mutter fort. So dachte man sich das zumindest bisher. Aber in letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass einige Bakteriensorten schon während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind überwechseln.

So fanden Forscher nach problemlosen Schwangerschaften, in denen sich keine Anzeichen von Infektionen gezeigt hatten, Bakterien im Nabelschnurblut, in der Amnionflüssigkeit und fötalen Membranen. Auch der erste Stuhlgang des Neugeborenen, der noch im Bauch der Mutter gebildet wird, ist keinesfalls frei von Bakterien. Er beherbergt schon eine recht komplexe Gemeinschaft aus Mikroorganismen.

Ganz steril (Lehrmeinung seit gut 100 Jahren) wächst der Nachwuchs also nicht im mütterlichen Bauch heran. Lisa Funkhouser und Seth Bordenstein von der Vanderbilt University schreiben jetzt sogar von einem “fötalen Mikrobiomin utero, das nun näher bestimmt werden soll.

7316101966_e36d76fb34_zWie es den Bakterien gelingt zum gut abgeschirmten Fötus vorzudringen, ist noch unklar. Schließlich sind die Vorgänge während der Schwangerschaft nur schwer zu untersuchen. Einige Bakterien steigen möglicherweise aus der Vagina auf und verschaffen sich über bisher unbekannte Mechanismen Zutritt zur Fruchtblase. Andere aus der Darm- oder Mundschleimhaut der Mutter gelangen eventuell über die Blutbahn in den kindlichen Kreislauf. Alles in allem eine echte Herausforderung für das unreife Immunsystem, das noch lernt, gefährliche Erreger anzugreifen und harmlose und nützliche Mitbewohner zu tolerieren.

5613656967_969e5b7d4b_zMit der Weitergabe mütterlicher Bakterien auf den Nachwuchs steht der Mensch nicht alleine da. Es handelt sich dabei vielmehr um ein universelles Prinzip, wie Funkhouser und Bordenstein in ihrem Artikel belegen. Insekten oder Fische arbeiten mit verschiedenen Tricks, um den Bakterientransfer zu ermöglichen. Baumwanzen (Pentatomidea) zum Beispiel beschichten ihre Eier bei der Ablage mit Kot, der reich an Symbionten ist. Nach dem Schlüpfen verzehren die Nymphen die Eischale inklusive der deponierten Bakterien.

Auch Schildkröten und Vögel geben mehr oder weniger nützliche Mitbewohner an die nächste Generation weiter. Nicht so gut kann es da für den Fan roher Eierspeisen laufen, wenn Salmonellen den Reproduktionstrakt von Haushühnern besiedeln. Je nachdem in welchem Abschnitt des 65 Zentimeter langen Eileiters sich die Bakterien aufhalten, sind sie später entweder im Eigelb, Eiweiß oder den Schalenhäute anzutreffen.

 

(Im Mekonium, dem ”Kindspech”, tauchen bereits Enterobakterien auf, hier Escherichia; schwarz-weißes Foto: flickr NIAID)

(Farbiges Foto: Salmonella, Quelle: flickr NIAID)

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